works


I (We) Feel Seen, 9-C Prints, 11 Inkjet Prints, 65 x 70 cm, Text, 2018




I (We) Feel Seen, 2018
Begegnungen und Biographien

 

1. Fem Appeal

Als Fem Appeal ihre Höhenangst überwindet und auf den Balkon tritt, verwandelt sie sich plötzlich in den stolzen, ernsten und erhabenen Abraham Lincoln, den ich auf der Bühne in Coney Island kennen gelernt habe. Ich fühle mich sofort wohl mit ihrer warmen Präsenz und genieße es ihr zuzuhören. Ihre Größe und ihr Alter überraschen und beeindrucken mich, queere Menschen scheinen nicht zu altern.
 
Fem Appeal (*1967 Brooklyn, New York) ist Burlesque Performerin und Gründerin/ Veranstalterin
von der Burlesque Show Kitty Nights NYC (2006-2014). Tagsüber arbeitet sie mit Jugendlichen mit Behinderungen in der Gesundheitserziehung. Es ist ihr wichtig ihre Identitäten zu trennen, um
ihren Job nicht zu verlieren, Burlesque Performer_innen haben noch immer einen schlechten Ruf.
 

2. Eva Kollisch und Naomi Replansky

Die Lesung der beiden jüdischen Dichterinnen berühretn mich sehr. Eva überlebte den Holocaust
durch Emigration mit einem Kindertransport von Baden bei Wien. Die gewaltige Dimension dieser Erfahrung, ist in ihren Essays spürbar. Ich bin die einzige Deutsche im Raum. Nach der Lesung gehe ich auf sie zu. Ihre Offenheit mir gegenüber und ihre Freude darüber Deutsch zu sprechen und mich kennen zu lernen, erleichtern mich. Wir werden Freundinnen, gehen essen, diskutieren dabei über Politik und denken über das Übersetzen zwischen Sprachen nach. Als sich Naomi und Eva kennen lernten, waren sie in ihren Sechzigern. Seit dreißzig Jahren sind sie nun ein Paar und leben zusammen in zwei getrennten Wohnungen in einem Gebäude in der Upper West Side in Manhatten.
 
Eva Kollisch (*1925 Baden bei Wien) ist Schriftstellerin, Literaturwissenschaftlerin und Germanistin. Sie war Professorin am Sarah Lawrence College in Bronxville, New York.
Naomi Replansky (*1918 Bronx, New York) ist Schriftstellerin und war Übersetzerin von u.a. Bertold Brechts Texten. Zudem arbeitete sie viele Jahre als Programmiererin.

 

3. Linda LaBeija

Linda LaBeija ist inmitten einer Telefonkonferenz, als sie mein Studio betritt. Sie setzt sich auf das Sofa und beginnt sich zurecht zu machen. Mit dem Kopfhörer im Ohr flüstert sie: „Du kannst jetzt beginnen zu fotografieren.“.

Linda LaBeija (*1991 Bronx, New York) ist Vogue Tänzerin (HOUSE OF LABEIJA), Spoken Word Performerin und Trans Aktivistin. Sie kombiniert Musik mit Spoken Word. Tagsüber arbeitet sie mit obdachlosen LGBTQ Jugendlichen.
 

4. L. J. Roberts

L. J. Roberts betritt mein Studio mit Sparky und Ziggy, ihren Chihuahua-Mischlingen, und beginnt sofort sehr viel zu sprechen. Sie erzählt von ihrem polnischen/russischen Hintergrund und ihrer Großmutter, die sie zu ihren textilen Arbeiten inspieriert hat. Sparky und Ziggy nehmen inzwischen das Studio ein und breiten sich auf dem Sofa aus, es ist spürbar, dass sie ein wichtiger Teil ihrer Familie sind.
 
L. J. Roberts (*1980 Detroit, Michigan) (Pronomen: singular sie) ist Künstlerin und lehrt an der Parsons School of Design in New York.
 

5. Su Friedrich

In der Kommunikation durch den Kamerablick mit Su Friedrich fühle ich Komplizenschaft und gleichzeitig eine starke professionelle Beobachtung. Sie schaut mich an mit einer Mischung aus Neugier, Skepsis aber auch Anziehung und Wohlwollen. Liegt es daran, dass ich ihre Arbeiten seit meinem Studium kenne und sie Professorin ist?

Su Friedrich (*1954 New Haven, Connecticut) ist Filmemacherin und Professorin an der Princeton Universität.
 

6. Lena Rosa Händle

Lena Rosa Händle (*1978 Berlin) ist Künstlerin, Fotografin und Lehrende. Die letzten vier Jahre hat sie an der Akademie der Bildenden Künste Wien gearbeitet. Sie hat viele Jahre in (queer-feministischen) Hausprojekten gelebt (Berlin, Leipzig, Barcelona, Wien) und arbeitet meistens kooperativ und projektorientiert.
 

7. Brittnay Maldonado

Brittnay´´s Präsenz auf der Bühne erlebe ich als stark, und gleichzeitig ist viel Traurigkeit spürbar. Es ist schwierig hinter ihre Posen zu blicken.

Brittnay Maldonado (* 1987 Bronx) ist Spoken Word Performerin und Künstlerin. Sie hat gerade zum ersten Mal in ihrem Leben ihren Bürojob aufgegeben. Sie möchte ehrlich zu sich selbst sein und ihren Traum leben.
 

8. Ness und Nia

Nia & Ness betreten mein Studio und umarmen mich herzlich. Ihre große Liebe ist ständig präsent. Vor der Kamera verschmelzen sie miteinander und scheinen mich ganz zu vergessen. „Es fühlt sich an wie ein Spiegel meiner Beziehung“, sage ich und empfange in dem Moment eine Nachricht von meiner Partnerin. Als weißes Paar fühlen wir uns immer sicherer. Dass ständige Wachsamkeit und Verteidigung ermüden, sehe ich Nia an.
 
Ness White (*1987 California) und Nia Shand (*1993 New Jersey) sind seit 2013 ein Paar. 2016 gründeten sie die Firma Nia & Ness und performen seitdem zusammen als Poetry-Performance-Dance Duo. Sie verarbeiten ihre täglichen Erfahrungen als Schwarzes, lesbisches Paar mit der Tanz Performance von Nia und mit Spoken Word Poetry von Ness. Tagsüber arbeitet Ness als Erzieherin und Nia am Empfang eines Fittnesstudios.
 

9. Ulrike Müller

Ulrike Müller hat die Idee, ein Malerinnen-Porträt mit Hund mit dem Verweis auf Joan Mitchell mit George dem Pudel zu inszenieren, doch dann passt es wegen ihrer Abendpläne nicht, den Hund mitzunehmen. Als sie mein Studio betritt, sagt sie: „Es ist schwierig mich zu fotografieren“.
 
Ulrike Müller (*1971 Brixlegg, Tirol) ist Künstlerin und lebt seit 2002 in New York. Sie war Teil des queer-feministischen Künstler_innen Kollektivs LTTR. Seit ein paar Jahren kann sie von ihrer Kunst leben.
 

10. Louise Fishman

Louise Fishman kommt mit ihrer Ehefrau und Managerin Ingrid Nyeboe (* 1956). Beide haben akademische und künstlerische Hintergründe und erzählen legendäre Geschichten aus der Schwulen und Lesben Befreiungsbewegung in New York der Siebziger Jahre, in die sie involviert waren.
 
Louise Fishman (*1939 Philadelphia) ist Malerin, sie kann von ihrer Kunst leben.
 


Thank you Ursula Knoll, Georgia Holz, Katharina Aigner and Marina Lewandowska as well as the Federal Chancellary of Austria (Residency, New York City) and
Cyberlab (Sponsoring: prints of the texts, laminations).

 
 
 
 
 











Reclaiming Gestures 2, carbon prints, lightboxes, 60 x 90 cm, 2017




Reclaiming Gestures 2, 2017

 

Lena Rosa Händle’s five light boxes are part of her series Reclaiming Gestures 2, where she negotiates depictions of the female body. The five photographs show the artist in different poses with props that cannot be clearly identified. The titles are Grosse Fotografen und Olympus (Great Photographers and Olympus), Verführerisch, unser neuer Bodenbelag…Das sinnliche Erlebnis auf Parkett (Seductive, our new flooring…the sensual experience on parquet), Filter Rillos (Filter Rillos), Macht Spass im Mund! (Fun in your mouth!), and Jungs kommt Grillen! (Boys come to grill!). The high-quality carbon prints in light boxes can be interpreted as advertisements. The composition and slogan-like titles draw on advertising images, although they contradict the usual advertising aesthetic. A break occurs between the written message and the image. The artist occupies the picture in a self-determined pose. Instead of advertised products, improvised seating made of metal frames and wooden palettes, a hasty drawing on paper, and the studio space become props in the picture. (…)


fraction of the exhibition text by Juliane Bischoff: Lena Rosa Händle & Katharina Aigner, T/abor, Vienna, 2017






Reclaiming Gestures 1, lightbox, 2074 x 1074 cm, 2015




Reclaiming Gestures 1, 2015

 

In Reclaiming Gestures 1 Lena Rosa Händle works with gestures and poses from sexist advertising. The images include staged performances and artist portraits, depicting queer-feminist appropriations in the studio. The individual images refer to specific historical and current advertisements whose iconographic poses the artist appropriates, reinterprets, and presents as light boxes. The self-portrait photographs suggest references to female artists of the feminist avant-garde.
Two photographs from this work were shown in the solo show Reclaiming Gestures, 2015, supported by the City of Vienna Women’s Department. The two-sided large format light box engaged in a dialog with the artwork Kubus EXPORT – der Transparente Raum and with public space.
















Pelze (Furs), neon light, aluminium grid, 150×50 cm, 2015




Pelze (Furs), 2015

 

The central objective of the work is a queer-feminist knowledge production, the (ambivilant) visability of (historical) places, and strategies of the empowerment of queer spaces.
Pelze refers to a space for women and lesbians ‚PELZE-multimedia‘, which existed in a self-organized house project and former fur shop in Berlin from 1980 to 1994 as an international avant-garde meeting place for artists and activists. Everybody was welcome and a mixture of all kinds of ages, different class and social backgrounds, international visitors, as well as sexworkers from the neighborhood occured.

The translation of the original typography of the word Pelze by hand into installative neon writing is both a citation of the logo that ‚PELZE- multimedia‘ appropriated from the vacant fur shop and a hommage to the
project ‚PELZE-multimedia‘. Therefore it can be read as a further re-writing of the appropriation of the logo of the shop as well as a significance displacement from a comercial context to a subcultural scene.












Mädchen unter Bäumen (Girls under trees), digital print on acrylic, embroidery, 220 x 126 cm, 2016




Mädchen unter Bäumen (Girls under Trees), 2016

 

At the Master School for Art Education, it was compulsory for female students to take 22 hours per week per semester needlework in the 5th and 6th semesters. In the course of establishing this Master School in 1941, the first female instructors at the Academy of Fine Arts Vienna were appointed as teachers of needlework. Mädchen unter Bäumen uses the tapestry of the same name from 1941, which students in Wuppertal embroidered in a laborious collaboration with their art teacher and needlework teacher. This ornamental wall decoration for the classroom shows a self-portrait of the girls in nature, which is framed by this saying: “Ye people, learn but from the meadow flower, how ye can please God and be beautiful as well.”
The artistic work inserts two embroidered personal ads from the Wochenschau newsreel that appeared in Vienna in 1942 into Mädchen unter Bäumen: “Girl seeks correspondence with girlfriend under modern” and “Lady wants girlfriend for cinema and theater.”

Such displays are the only publicly visible words, and are among the few supporting documents, on lesbian life during the Nazi regime in Vienna.
“Girl” and “lady” had been codes in lesbian subculture since the first women’s movement. The colors lila and violet and the specifying of a girlfriend were other indicators of homosexuality in the 1920s. In her 1999 book Verbotene Verhältnisse (“Forbidden Relationships”), historian Claudia Schoppmann has worked on the history associated with the 1942 ads based on Viennese court records. The ad placed by the youth educator Lisbeth L. resulted in several exchanges of letters and at least one brief relationship. The Gestapo opened one of the letters and the women were brought to trial and sentenced to prison for “fornication abhorrent to nature.”

Uncanny Materials Founding Moments of Art Education. A curatorial exhibition, research and education project curated by Elke Krasny and Barbara Mahlknecht. Acadamy of Fine Arts Vienna, Exhibit, 2016











Laughing Inverts, c-prints, framed, various sizes, 2006-10










Laughing Inverts, Artist Book, Hard Cover, 16,4 x 24 cm, 200 pages, 82 color- and 44 b/w Images, Kehrer Publisher, 2015




Laughing Inverts, 2015

 

The phenomenon of laughter, like this artist’s book, is characterized by variety. The diversity of photographic approaches manifested in the dialog between these images reveals different facets of identity, relationships, and social movements. Momentary scenes arise in the mix of imagery, forming idiosyncratic orders. Found signs and traces are articulated in movement, masquerade, and glamour. Visual shifts, reversals, and reinterpretations invert societal norms and conventions. Browsing through these pages, a flow of images emerges that follows its own inner rhythm, united by the expressiveness of laughter as communication, gesture, grimace, or threat.










Of Other Spaces, c-prints, 60 x 80 cm, 2013




Of Other Spaces, 2013

 

The work is based on effective counter spaces. Strange other spaces, which lie beyond all places and can be understood as realized utopias of our society. In these spaces prescribed standards are ephemeral, not fully implemented, or operated by their own maxims.
The dark and poetic images act as mental spaces in which classifications and inscriptions, openings and closings of fictitious, symbolic, personal and public levels can be considered. On a symbolic level, an analysis of the concept of utopia takes place. Here, the real residues that are visible on the photographs refer to an ambivalence that oscillates between spaces that are defined within socio-political and imaginary spaces, which open up in the world of imagination.










Monsters, collages in lightboxes, 12 x 15cm – 22 x 25 cm, 2013




Monsters, 2013

 

In these newspaper collages, Lena Rosa Händle analyzes pictorial spaces found in the Viennese tabloids. The material undergoes a process of intense dismantling (mixed, torn, layered, reassembled) and finally is examined over the ambient glow from light boxes. Different layers are visible depending on the lighting of the space, which creates different images. In this work we encounter monstrous and injured subjects, which can be understood as queer dystopias.










Between Places, Paper fragments on glas, 2013-14




Between Places, 2013

 

The installation addresses the aesthetics of places in between and the absence of bodies. The expression of vacancy, the state of transition, the overlapping of remnants and dissolution in public space are present in the work.
In A box of Space of Other Spaces, the artist addresses the shifting and connection of real and fictional urban space by décollaging the glass of a display window.
She decontextualizes the aesthetics of the décollage and calls for images, societal spaces and the corresponding classifications and evaluations.









Places of Passing, c-prints 90 x 120 cm, 2013




Places of Passing, 2013

 

The human body exists as an imaginary space, is the starting point for the world, and the place where paths and spaces intersect. It is the basis for all kinds of constructed, real and utopian places. The space produces the human body.
It tells of personal spaces and inscriptions on the body. This human body is in the process of passing to an undefined place of passage and cannot be easily classified.
The subjects are turned away from the camera, eluding a clear definition and classification of their identity.

The title Places of Passing and the androgynous bodies refer to a transgender context. The ambiguity of gender relating to visibility and invisibility is a key queer issue.











Laughing Inverts, (limited edition), artist book, 2011




Il popolo delle libertá, projection, video, digital Print, glas, 2010




Il popolo delle libertá, cooperation with Sarah Feulner, 2010

 

The installation Il Popolo delle Libertà (The People of Freedom) consists of a projection, a video, and a photograph laminated on particleboard behind glass, which is set on a block of stone. The work focuses on the appropriation of media under the government of Silvio Berlusconi in Italy.

The artists show their reactions to radical right-wing graffiti in the public space of Tivoli near Rome. The video documents the artists taping and spraying over slogans/swastikas that are left by the Forza Nuova (New Force – a far right political party in Italy); the new images that overlay the old subvert the right wing content. The presentation of the work on a small monitor brings to mind the aesthetics of surveillance. In addition, a large-format projection shows manipulated newspaper cuttings, which pick up images of the collective pictorial memory.

What can images achieve? The artists Lena Rosa Händle and Sarah Feulner problematize media images, their ubiquity, and their influence in terms of presenting truth and political events.